"Mensch-Macht-Milch": Ausstellung zur Fastenzeit

"Mensch-Macht-Milch" heißt die Wanderausstellung in der Neukirchener Geschäftsstelle der Sparkasse.

Milch ist ein Thema, das es schafft, die EU-Agrarpolitik und die bäuerliche Landwirtschaft, regional, national und international unter verschiedenen Perspektiven ins Bewusstsein der Verbraucher zu rücken. Gerade zur Fastenzeit. Ein kritisches Überdenken des eigenen Verhaltens ist das Ziel der Macher des Gemeinschaftsprojektes "Mensch-Macht-Milch", angefangen von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft über den Bundesverband Deutscher Milchviehhalter bis zum Hilfswerk Misereor.

Traditionell wird der Blick auf den 40-tägigen Verzicht auf bestimmte Lebensmittel, auf Handy, PC oder Fernsehen gelenkt, um den eigenen Konsum kritisch zu reflektieren. Hier rückt dagegen das Lebensmittel Milch samt Umfeld in den Mittelpunkt.

"Milch ist heute zum Spielball geworden", sagt Bernd Zibell, Vorstand und Hausherr der Sparkasse am Niederrhein, Poststraße, wo eine Ausstellung zur Milch zu sehen ist. Milch werde von politischen und wirtschaftlichen Interessen bestimmt, die gerade in ländlichen Strukturen desaströse Folgen für die Existenz bäuerlicher Betriebe haben. Die Wanderausstellung "Mensch-Macht-Milch", die seit 2010 unterwegs ist, will den Fokus auf das Verbraucherverhalten lenken, Impulse geben und Verhaltensweisen möglichst ändern.

"Wir wollen die bäuerliche regionale Vermarktung unterstützen", sagte Pastorin Juliane Kollmann-Rusch zur gemeinsamen Fastenaktion. Informationen zur Milchwirtschaft am Niederrhein und aus der Welt, Milchprodukte, ihre Verpackung bis zur Preisgestaltung verschaffen kritische Ansatzpunkte für die begleitende Auseinandersetzung. So lenkt eine Podiumsdiskussion "Von der Milch leben" am Donnerstag, 16. März, 19 Uhr, im Goldberg-Saal der Geschäftsstelle den Blick auf die Arbeit der örtlichen Milchbauern wie Johannes Leuchtenberg und Hans-Dieter Porn, die vor Ort Milch direkt und pur vermarkten. Käsebauer Andreas Straetmans aus Kerken verarbeitet aus hofeigener Produktion Milch zu den verschiedensten Produkten wie Käse, Quark und Joghurt. Sie wurden bereits bei der Ausstellungseröffnung angeboten. Martina Rabe vom Neukirchener Edeka-Markt nimmt zum Kaufverhalten bei regionalen bäuerlichen Milchprodukten Stellung.

In der Ausstellung ist auch der Milchbetrieb der Hünxer Landwirtin Dorothee Lindenkamp porträtiert. Sie erzählte bei der Eröffnung, wie sich mit dem Schulabschluss 1999 ihre landwirtschaftliche Ausbildung gestaltete, um den elterlichen Betrieb zu übernehmen. Mit 33 Kühen in artgerechter Haltung startete sie im Haupterwerb. 2014 erweiterte sie. Mittlerweile werden die knapp 70 Kühe von Milchrobotern gemolken. Computergesteuerte Technik sorgt für Arbeitserleichterung, wie sie erzählt. "Aber was passiert mit unserer Milch", so Dorothee Lindenkamp mit Blick auf Milchpulverzuteilung in afrikanischen Staaten. Das Lebensmittel Milch bleibe Herausforderung über die Fastenzeit hinaus, so das Fazit von Pastorin Kollmann-Rusch, die den Blick auf den Einfluss der Verbraucher lenkte. Schließlich kann er wählen zwischen dem preisgünstigen Liter Milch, der in der Vergangenheit oftmals schon für 55 Cent zu bekommen war, so Juliane Kollmann-Rusch.

RP, Sabine Hannemann, 06. März 2017